Ich bin 1971 in Hamburg geboren und in Passau aufgewachsen. Meine künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen Collage, Assemblage, Objektkunst, mechanischer Plastik, Installation, experimentellen Druckverfahren sowie programmierten und generativen Arbeiten. So unterschiedlich die verwendeten Medien und Techniken erscheinen, verbindet sie für mich ein grundlegendes Prinzip: das Spannungsverhältnis zwischen Konstruktion und Improvisation, Kontrolle und Zufall.
Ausgangspunkt meiner Arbeit ist häufig bereits vorhandenes Material. Seit meiner Kindheit sammle ich auf Flohmärkten, im Sperrmüll und an anderen Fundorten Gegenstände, technische Bauteile und Dinge des alltäglichen Gebrauchs, die mich aufgrund ihrer Form, Funktion, Geschichte oder scheinbaren Nutzlosigkeit interessieren. Hinzu kommt ein umfangreicher Fundus an Bild- und Textmaterial aus Zeitschriften von etwa 1950 bis heute.
Seit der Einrichtung meiner ersten Werkstatt in der Passauer Innstadt 1999 entstehen daraus Objekte, Collagen, Schaukästen, mechanische Konstruktionen und Installationen. Ausrangierte Haushaltsgeräte und technische Fragmente verlieren ihre ursprüngliche Funktion und werden Bestandteile neuer Zusammenhänge. Motoren setzen Objekte in Bewegung, Schalter und Elektronik lösen Vorgänge aus, Leuchten verändern Räume oder lassen aus Fundstücken kleine Bühnen entstehen. Die ursprüngliche Herkunft der Materialien bleibt dabei meist sichtbar. Ich versuche sie nicht zu verbergen, sondern durch Kombination, Umdeutung und Zweckentfremdung neu lesbar zu machen.
Improvisation spielt in diesem Prozess eine wesentliche Rolle. Nicht immer steht am Anfang einer Arbeit eine fertige Vorstellung. Oft entwickelt sich das Werk aus dem vorhandenen Material und aus den Möglichkeiten, die sich während des Arbeitens ergeben. Ich schaffe Bedingungen, reagiere auf Zufälle und entscheide, welche davon Teil der Arbeit werden. Humor, Absurdität, Nostalgie und meine Affinität zu Technik prägen viele dieser Arbeiten.
Auch in meinen Schaukästen verdichte ich Fundstücke, Figuren, Bilder, Licht und technische Elemente zu kleinen Szenarien. Sie erzählen keine abgeschlossenen Geschichten, sondern erzeugen Situationen und Andeutungen. Vertraute Gegenstände erscheinen in veränderten Zusammenhängen und bewegen sich zwischen Alltäglichem, Skurrilem, Melancholischem und Absurdem.
Parallel dazu beschäftige ich mich intensiv mit Collage und Arbeiten auf der Fläche. Bild- und Textmaterial aus Zeitschriften der vergangenen Jahrzehnte wird ausgeschnitten, zerlegt, überlagert und mit anderen Materialien kombiniert. Der ursprüngliche Kontext der Motive löst sich dabei auf; durch neue Nachbarschaften entstehen andere Bedeutungen und visuelle Erzählungen.
In aktuellen Bildarbeiten erweitere ich diese Collagepraxis durch unterschiedliche Druck- und Image-Transfer-Verfahren. Gedruckte Motive werden auf neue Bildträger übertragen und mit Acrylfarbe, Druck und Collage verbunden. Dabei interessiert mich nicht die möglichst perfekte Reproduktion einer Vorlage. Fehlstellen, Abrieb, Verschiebungen, Überlagerungen und Spuren des Übertragungsvorgangs bleiben bewusst sichtbar. Das Ausgangsbild verändert sich im Prozess und wird teilweise den Eigenschaften des Materials und seinen Unwägbarkeiten überlassen.
Eine weitere Werkgruppe bilden meine programmierten und generativen Arbeiten. Als Programmierer entwickle ich eigene Softwaresysteme, in denen ich Bildmaterial, Regeln, Bewegungsabläufe und mögliche Veränderungen definiere, ohne das konkrete Ergebnis vollständig festzulegen. Programme wählen Bilder aus, kombinieren sie neu, verändern Darstellungen oder erzeugen fortlaufende visuelle Abläufe. Innerhalb eines von mir vorgegebenen Rahmens kann sich eine Arbeit bei jedem Durchlauf anders entwickeln.
Der Zufall ist dabei weder im Analogen noch im Digitalen Selbstzweck. Mich interessiert vielmehr der kontrollierte Zufall. Ich lege Material, Regeln und Grenzen fest und schaffe damit einen Möglichkeitsraum, innerhalb dessen Unvorhersehbares entstehen darf. Beim Image Transfer kann dies eine Fehlstelle oder eine unerwartete Überlagerung sein, in einer mechanischen Arbeit eine nicht vollständig kalkulierbare Bewegung und in einer programmierten Arbeit eine vom Algorithmus erzeugte Kombination.
Dieses Prinzip verbindet für mich die unterschiedlichen Bereiche meiner Arbeit. Ob Gegenstand, Zeitschriftenbild, Druckfarbe, mechanisches Bauteil oder Programmcode – ich arbeite mit vorhandenem Material und definierten Systemen, greife ein, ordne neu und lasse zugleich Raum für Ergebnisse, die sich nicht vollständig planen lassen. Das fertige Werk entsteht im Wechselspiel zwischen Entscheidung und Eigendynamik.
Mein beruflicher Hintergrund als Programmierer und Systemadministrator bildet dabei einen produktiven Gegenpol zu meiner künstlerischen Praxis. Während technische Systeme üblicherweise auf reproduzierbare Abläufe und eindeutige Funktionen ausgerichtet sind, verwende ich sie in meiner Kunst häufig gerade dazu, Zweckfreiheit, Variation und Unvorhersehbarkeit zu ermöglichen. Technik ist für mich deshalb nicht nur Werkzeug, sondern auch künstlerisches Material.
Seit 1999 zeige ich meine Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen. Ich lebe und arbeite in Passau.